Gaslose Laparoskopie-gaslose Bauchspiegelung: Kritik ohne Substanz.

24. August 2011

„Kritik der gaslosen Technik“ 


Beim „Googeln“ ist mir eine besondere Seite im Internet aufgefallen, die sich INTENSIV mit der Technik der „gaslosen Laparoskopie“ auseinandersetzt und von anderen als Argumentation gegen die Technik der gaslosen Laparoskopie zitiert wird. 

Ambulante Operateure und Kollegen in einer ambulanten Praxis üben an dem Verfahren der „gaslosen Laparoskopie“ Kritik, obwohl es von den Kollegen nicht angewendet wird. Frühere Techniken der gaslosen Operationsmethoden mögen im Einzelnen diverse Nachteile aufweisen. Deshalb haben wir uns damit lange und intensiv beschäftigt und die Methode durch neue Hebetechniken so verfeinert und weiterentwickelt, dass die früheren Nachteile der gaslosen Methoden eliminiert sind. 

Auch insbesondere mit der von uns entwickelten Technik der Lift-Laparoskopie mit dem Abdo-Lift haben die Kollegen keine Erfahrung sammeln können. 

Es ist auch deutlich erkennbar, dass die Kollegen eigentlich überhaupt keine Ahnung haben, wovon sie da reden

Zitat:

"Gaslose“ Laparoskopie = Raumluft-Laparoskopie 

Diese Methode findet in unserer Region noch vereinzelt Anwendung. Wir werden gelegentlich von Patientinnen hierauf angesprochen. 

Entwickelt wurde der sog. "Lapro-Lift" zu Beginn der 90er Jahre von Jörg Keckstein (Österreich, seinerzeit Oberarzt an der Universität Ulm). Keckstein selbst verwendet die Technik heute nicht mehr. 

Der Hersteller, die Firma STORZ in Tuttlingen, hat den Lapro-Lift im Jahre 2006 wieder vom Markt genommen. 

Es handelt sich um eine einfache Variante der Laparoskopie, die in den 90er Jahren in Deutschland erstmals Aufmerksamkeit erzielte, sich aber im Gegensatz zur Standard-Laparoskopie weder im Fach Chirurgie noch im Fach Gynäkologie durchsetzen konnte."

Das "gelegentliche" spiegelt sich wieder in 10.000 Besucher auf unseren Webseiten TÄGLICH.

Entwickelt wurde der sog. Laparo-Lift (nicht LaproLift) im Jahre 1990 von der Firma ORIGIN und hat mit Keckstein nichts zu tun.

Jörg Keckstein hat einen "Endo-Lift" entwickelt, der aber NIE Produktionsreife erlangte, weil die SICHT nicht ausreichend war, also einer der wichtigsten Nachteile der FRÜHEREN gaslosen Techniken zeigte, weshalb sich die Methode nicht durchsetzen konnte.

Wir haben 1998 den "Abdo-Lift" entwickelt, der eine optimale Sicht im Bauchraum bietet und somit die Nachteile der früheren gaslosen Systeme eliminiert. Er wird jetzt in der neuen Version "Abdo-Lift Carbon" von der Firma EndoSurgery Ltd. produziert.

Das sich die gaslose Lift-Technik durchsetzt, sieht man daran, dass sogar Vorreiter und Pioniere der Laparoskopie wie Victor Gomel und Errico Zupi (Vice president der AAGL) die Technik selber einsetzen:

Endlich begreifen es auch die Pioniere !


Zurück zu den Kollegen des Artikels:

Die Technik der Lift-Laparoskopie bietet in der ambulanten Medizin, der kleinsten operativen Eingriffe, auch keine Vorteile, denn ambulante Operateure führen meistens Operationen mit kurzer Dauer (z.B. Sterilisation oder Zystenentfernung) durch. Die Vorteile der gaslosen Operationen kommen aber erst bei größeren OPERATIVEN Eingriffen mit längerer Operationsdauer zum Tragen . 


Aber: 

Warum haben es die Kollegen nötig, AKTIV deren Ausführungen zur „gaslosen Laparoskopie“ auf ihrer Webseite in die Suchmaschinen hoch zu platzieren (siehe Google > 

Warum müssen ärztliche Kollegen eine Methode, die sie NICHT anwenden, öffentlich per Internet kritisieren ? 

Bringt ihnen das mehr Patienten ? 

Kämpfen sie gegen eine Methode, die Sie nicht einmal kennen ?

Wollen sie erreichen, dass sich die Methode nicht durchsetzt ?

Wollen sie Patienten anderen Ärzten abwerben ? 

Auch unser Pionier der Laparoskopie, Herr Prof. Kurt Semm wurde in den 70 Jahren angefeindet und angegriffen und mit Scharlatan beschimpft, als er die ersten Bauchspiegelungen durchgeführt hat und der Welt zeigte, dass auf Bauchschnitte verzichtet werden kann… 

Heute ist die Technik der Laparoskopie mit Gas, wegen der er angefeindet wurde, angeblich „Methode der Wahl“ …. 


Sie ist es aber leider eben noch nicht, denn sie hat sich noch nicht einmal durchgesetzt ! Immer noch werden weltweit 65% der Gebärmutterentfernungen per Bauchschnitt und 35% durch die Scheide durchgeführt. Nur 5 % werden per Bauchspiegelung durchgeführt. Deshalb ist die Methode der Laparoskopie mit Gas per se NOCH eine Außenseitermethode und wird nicht überall für größere Eingriffe angeboten. 

Die Technik der Laparoskopie mit CO2-Gas ist eine Technik, die sich, so wie sie zur Zeit meistens angewendet wird, "flächendeckend" langfristig auch nicht durchsetzen wird, da sie zu teuer und zu schwer zu erlernen ist, um nur zwei Gründe zu nennen. Deshalb stagniert weltweit die Verbreitung der Laparoskopie und es bleiben halt nur 5 % der Operateure, die die Bauchspiegelung einsetzen, sie verfeinern und technisieren und dadurch noch unerschwinglicher für die meisten Länder, Chirurgen und Krankenhäuser machen. 

Die kritische Auseinandersetzung mit der Technik der Methode ist deshalb sinnvoll und zwingend notwendig, damit wir nicht am Ende als Mediziningenieure landen… 

Welcher Fortschritt ist sinnvoll und machbar ? 
Mediziningenieur ? 

 

Anstatt z.B. das CO2-Gas wegzulassen, das in Studien als schädlich (z.B. Sauerstoffmangel in Zellen, Ansäuerung von Zellen im Organismus) bewiesen ist (*), welches Verwachsungen verursachen kann, werden als Rückschlüsse aus diesen Studien, neue Insufflationsgeräte entwickelt, um diese schädlichen Effekte durch Zugabe von Sauerstoff z.B. zu elminieren. 
Wo gehen wir hin ? 


Anstatt es einfach zu machen, wird es noch komplizierter… 
Aber es ist klar, „einfach“ kann man nicht verkaufen …. 

Das Durchsetzen einer Methode in der Chirurgie benötigt 25 Jahre. Mit der Methode der Lift-Laparoskopie sind wir im 20 Jahr. Also haben wir noch viel Zeit und können durch viele Rückschläge durchwandern. 

Ich komme jetzt wieder auf einige Bemerkungen der Kollegen zurück: 

Unter dem Punkt:

sagen sie das: 

Zitat:


„Sie finden unter dieser Rubrik ausführliche Erklärungen zu Operationen, die wir routinemässig seit mehr als zwanzig Jahren durchführen. Die Technik wurde natürlich im Detail ständig weiterentwickelt. Dieser Prozess ist nie abgeschlossen. 
In den nächsten Monaten werden Informationen zu weiteren Operationsverfahren und Bildmaterial aus unserer eigenen Sammlung hinzukommen. 
Die einzelnen Verfahren werden mit Fotomaterial aus unserer eigenen Sammlung illustriert werden.“

Warum berichten diese Kollegen nun doch über eine Methode, die sie NICHT anwenden ? 

Unter dem Punkt

steht dies: 

Zitat:


“Der Name (gaslose Laparoskopie, Anm.d.R) bringt zum Ausdruck, dass bei dieser Technik kein medizinisches CO2-Gas in die Bauchhöhle eingeführt wird um die Bauchhöhle zu entfalten und Platz für den operativen Eingriff zu schaffen. Statt dessen wird nach Eröffnung der Bauchhöhle am Nabel ein Bügel eingeführt und die Bauchwand hochgezogen. Es strömt normale Luft mit Zimmertemperatur in den Bauchraum. Luft ist definitv ein Gas. Es stellt sich also die Frage, ob der Begriff nicht unglücklich gewählt bzw. irreführend ist. 
In der Arbeitgemeinschaft Gynäkologische Endoskopie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (AGE) ist deswegen alternativ der Begriff "Raumluft-Laparoskopie" gebräuchlich (Prof. Leo De Wilde, Oldenburg, Präsident der AGE.) 
Wenn Luft über offene Adern bei einer Operation in den Blutkreislauf gelangt, verursacht sie deutlich leichter eine lebensgefährliche Embolie als CO2, das als Produkt der Atmung immer in niedriger Konzentration im Blut anwesend ist und über die Lunge abgeatmet werden kann. Auch aus dem Bauchraum wird Luft vom Organismus nur sehr langsam eliminiert, was aber weniger wichtig ist.“ 

Es ist auf keinen Fall zu vergleichen, wenn ein CO2- Gas AKTIV und unter massiven Duck in die Bauchhöhle hineingepresst wird und in jede Zelle durch Durchwanderung der Zellgrenzen eingepresst wird, als wenn ein Gas PASSIV „hineinströmt“. Beim Bauchschnitt strömt Luft auch in die offene Bauchhöhle hinein und macht beim Bauchschnitt doch auch keine Lungenembolien. Zu behaupten, dass die Luft, die also passiv einfliesst mache Embolien, ist barer Unsinn.  

Es wird auch kein „Bügel“ oder „Haken“ eingeführt, sondern eine runde und glatte Einheit, die ohne Gewaltanwendung hineingleitet und ohne Verletzungsmöglichkeiten platziert wird. 

 

Zitat:


"Will man die deutlich gröberen konventionellen Instrumente und Blutstillungsmethoden (Tupfer!) einsetzen, benötigt man deutlich größere Wunden in der Bauchdecke. Das kosmetische Ergebnis ist dann entsprechend ungünstiger. Die Wunde in der Nabelregion muss Platz nicht nur für die Haken-Lift Einrichtung sondern auch für das Optiksystem bieten. Der erforderliche Wunddurchmesser beträgt etwa 20 mm. (Standard-Laparoskopie zum Vergleich 5 – 11 mm.)" 

Nach diesem Kommentar gehe ich davon aus, dass die Herren Kollegen tatsächlich von einer anderen Technik sprechen, als die bei uns angewendete Methode der Lift-Laparoskopie. Unsere drei Narben sind jeweils 10mm lang und im Gegensatz zu Gas-Laparoskopie, wo die Narben hoch angebracht werden müssen, damit die geraden und überlangen Instrumente eingeführt werden können, tief in den Schamhaaren und damit fast "unsichtbar" liegen.

Zitat:


"Die Effektivität der Bauchentfaltung ist ungünstiger, als bei der CO2-Laparoskopie, da die Anhebung nur an einem Punkt erfolgt. Das Ergebnis ist eine kegelförmige Figur mit dem höchsten Punkt am Nabel. Der Operateur benötigt den meisten Platz aber im Beckenbereich. Das gelingt bei der gleichmäßigen Aufdehnung mit genau dosiertem CO2-Gasdruck effektiver. Dies ist für uns ein operationstechnisch wichtiger Punkt. Nicht günstig ist bei langen Operationen der punktuelle Druck auf das Gewebe durch die Hakenkonstruktion." 

Auch hier sprechen die Kollegen von einer völlig anderen Technik. Die von mir entwickelte „Lift-Laparoskopie“ bringt eben KEINE „Zelttechnik“, wie das von den ersten Systemen für die gaslose Laparoskopie, wie sie in den 90 Jahren angewendet wurden, bekannt ist, sondern durch eine sorgsame und sinnvolle Entwicklung ergibt der Abdo-Lift eine gleichmäßige Aufdehnung des gesamten Bauchbereiches und eine IDENTISCHE Übersicht wie beim Operieren mit Gas, gleichzeitig eliminiert der Abdo-Lift aber ALLE Nachteile der Koheldioxid (CO2) – Laparoskopie.

 

Zitat:


"Die Raumluft kann nicht angewärmt werden. Es herrscht während der "gaslosen" OP im Bauchraum eine niedrigere Temperatur als bei der CO2-Laparoskopie mit körperwarmem Gas (hierfür stehen spezielle Geräte zur Verfügung.) Die Absenkung der Gewebetemperatur hat einige wichtige nachteilige Stoffwechseleffekte (s. u. ).W 

Bei der Lift-Laparoskopie fließt nicht permanent Luft hinein oder wird mit Druck in einen geschlossenen Raum AKTIV hineingepresst, sondern es strömt anfangs PASSIV etwas Luft hinein, die nach kurzer Zeit erwärmt wird. Durch die sehr kleinen Öffnungen entweicht nicht mehr soviel Luft heraus, so dass im Gegensatz zum Bauchschnitt mit einer großen „Öffnung“, eine “feuchte warme Kammer” entsteht, die in sich abgeschlossen ist und ein körperwarmes, physiologisches Umfeld anbietet. 

Im Gegensatz dazu verhindert auch ein Anwärmen von Kohelndioxid-Gas (CO2), die Hypoxie (Sauerstoffmangel der Zellen) als auch die Acidose (Säureanreicherung in den Zellen) NICHT. 

Zitat:


"Die Herstellung des Zugangs zur Bauchhöhle erfolgt bei der gaslosen Laparoskopie nicht auf eine weniger gefährliche Art. Man muss zur Durchführung einer CO2-Laparoskopie nicht die Bauchhöhle "blind" mit einer Kanüle punktieren und die Trokarhülsen auch nicht "blind" einstechen. Man kann problemlos die "offene" Technik einsetzen und den Zugang unter Sicht herstellen. (Literatur A. Maucher (1990), Offene Laparoskopie. gynäkol prax 14, 741-746, Hans Marseille Verlag München)s. hierzu auch das Kapitel "offene Laparoskopie" auf dieser Homepage. Die mit Abstand am weitesten verbreitete Zugangstechnik ist allerdings die "Blindpunktion) 

Das ist eine gute Einstellung der Kollegen, die zeigt, dass sie sich Gedanken machen und potentielle lebensbedrohende Gefahren, also den „Blindeinstich” eliminieren. BRAVO ! Aber. Nichtsdestotrotz wird der Blineinstich in den meisten Fällen praktiziert und kann eben, wenn auch selten, doch extrem lebensbedrohende Komplikationen nach sich ziehen 

Zitat:


"Die OP-Zeiten sind nicht kürzer. Patienten erholen sich nicht schneller. Die Schmerzen nach dem Eingriff sind nicht geringer. Der Medikamentenbedarf ist nicht höher. 

Die Ergebnisse der Operationen sind in keinem Aspekt besser, als bei der CO2-Laparoskopie . Die OP-Technik ist keinesfalls präziser. 

Die „gaslose“ Laparoskopie erlaubt keine operative Behandlung, die man nicht mit der Standard-Laparoskopie realisieren kann. (Und die Standard-Laparoskopie erlaubt chirurgisches Nähen, sogar mit mikrochirurgischem Nahtmaterial unter bis zu 20-facher Bildvergrößerung). 

Die bei der gaslosen Laparoskopie verwendeten Instrumente sind nicht grundsätzlich kürzer und erlauben keine günstigere oder entspanntere Haltung des Operateurs." 

Das sind alles haltlose Theorien, da die Kollegen keine Daten und keine Erfahrung mit der gaslosen Lift-Laparoskopie haben. 

Im Übrigen haben ebenfalls auch wir die 20-fache Bildvergrößerung, denn wir kombinieren die Techniken und suchen uns AUS BEIDEN (Bauchschnitt und Bauchspiegelung) natürlich DAS BESTE raus ! 

Vielen Dank für Ihre Kommentare ! 

(*) Molinas CR, Tjwa M, Vanacker B, Binda MM, Elkelani O, Koninckx PR. 
Role of CO(2) pneumoperitoneum-induced acidosis in CO(2) pneumoperitoneum-enhanced adhesion formation in mice. 
Fertil Steril. 2004 Mar;81(3):708-11. 

Molinas CR, Binda MM, Carmeliet P, Koninckx PR. 
Role of vascular endothelial growth factor receptor 1 in basal adhesion formation and in carbon dioxide pneumoperitoneum-enhanced adhesion formation after laparoscopic surgery in mice. 
Fertil Steril. 2004 Oct;82 Suppl 3:1149-53.